„Ist es leicht, jung zu sein?“

24.10. | 12 Uhr

Ein Gespräch mit Wladimir Kaminer und Juliane Fürst über die sowjetische Jugend, die Perestroika und das Ende der Sowjetunion.

Teilnehmer*innen: Wladimir Kaminer (Schriftsteller), Juliane Fürst (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung)
Moderation: Gabriele Freitag (Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde)
Zugang kostenlos
Hansabibliothek, Altonaer Straße 15, 10557 Berlin

Für den Besuch der Veranstaltung gilt die 2G-Regelung.
Anmeldung unter: kontakt@offen-fuer-kultur.berlin
Das Gespräch wird live auf dem YouTube-Kanal
der Stadtbibliothek Berlin-Mitte übertragen.

Ist es leicht jung zu sein?, fragte Juris Podnieks 1986 Dokumentarfilm über die junge Generation der 1980er-Jahre. Der Film brach mit vielen Tabus: er zeigte ein Konzert einer verbotenen Punkband; junge Hooligans, die sich in Vorortzügen flegelten und randalierten; kaputte und orientierungslose Afghanistanrückkehrer; junge Mütter, die sich um die Folgen von Tschernobyl sorgten. Trotzdem, oder gerade deshalb, wurde der Film schnell ‚Kult‘, genau wie die Rockikonen der jungen Perestroikageneration – Viktor Tsoi, Boris Grebenschikow, Jurij Schewtschuk.

Foto: Igor Palmin aus der Serie Neprikaiannost • Unruhe

Neue Subkulturen, die unter dem Begriff Neformaly fungierten, schossen bald wie Pilze aus dem unstabilen Boden der untergehenden Sowjetunion. Politisch gab es bald für jede Ideologie – vom Faschismus über den Zionismus bis zum Anarchismus – eine Vereinigung. Stilistisch wurde alles ausprobiert von Retro Teddy-Boys bis Punk und Glamrock. Aber die Geschichte der wilden sowjetischen Jugend ist dreißig Jahre nach dem Ende der Sowjetunion in Vergessenheit geraten, obwohl sie gerade jetzt, wo junge Leute in Russland und Belarus auf die Straße gehen, ihre Kunst als Protest verstehen und sich von der Macht versteckte Nischenexistenzen aufbauen, wieder neue Relevanz hat.

Der Schriftsteller Wladimir Kaminer („Russendisko“, „Good-bye Moskau“: „Legenden und Missverständnisse des vorigen Jahrhunderts“, „Der verlorene Sommer. Deutschland raucht auf dem Balkon“) war 23 Jahre alt, als er Moskau 1990 verließ. Die Jahre davor verbrachte er in der wilden spätsowjetischen Jugendszene, in der man an allen Ecken Musik, Protest und jugendliche Identitätsfindung machte, und die er in Form seiner Russendisko mit sich nach Berlin brachte. Einige seiner Erinnerungen von der Götterdämmerung des sowjetischen Imperiums haben sich in seinen Werken wiedergefunden.

Die Historikerin Juliane Fürst besuchte in den späten 1980er Jahren noch eine Klosterschule in München. Sie kam erst durch ein Projekt über die sowjetische 1968er-Generation mit der wilden alternativen Szene in der Sowjetunion in Berührung und schrieb darüber ein Buch, das dieses Jahr unter dem Titel „Flowers through Concrete: Explorations in Soviet Hippieland“ erschien. Das Gespräch zwischen dem Zeitzeugen und Literaten Wladimir Kaminer und der Historikerin Juliane Fürst wird von Gabriele Freitag, der Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, moderiert.

Im Anschluss läuft vor Ort der Film „Soviet Hippies“ (OmeU).